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AOR AR 5000 Radio-Scanner Erfahrungsbericht

Was kann der AR 5000 ?

Kurz gesagt ist es einer der besten Tischscanner dieser Preisklasse (damals 4000 DM), die Ende der 1990er Jahre auf den Markt kamen. Der Frequenzbereich reicht ohne Unterbrechung von 5 kHz bis 2,6 GHz in 1 Hz-Schritten. Er beherrscht alle Betriebsarten/Modes (CW/LSB/USB/AM/FM), die sich mit allen Bandbreiten kombinieren lassen. Von Haus aus sind 3 / 6 / 15 /
30 / 110 / 220 KHz eingebaut. Nachrüsten ließe sich noch ein 0,5 kHz-Filter.

Er verfügt über 2000 Speicherplätze, bei denen auch Mode, Bandbreite, Schrittweite mitgespeichert wird.
1000 davon sind relativ einfach über 10 Bänke a 100 Plätze abrufbar. Zur serienmäßigen Ausstattung gehören umfangreiche Scanfunktionen, Ausblendfunktionen einzelner Kanäle, Abschwächer, DTMF-Dekoder (Telefon-Tonwahl), ein Abschwächer, 2 Antenneneingänge (auf 4 erweiterbar) mit 50 Ohm, eine Uhr, ein elektronischer Audio-Notchfilter, 5 VFOs und ein eingebauter Lautsprecher.

Das Gerät selbst hat eine Tastatur mit vielen Doppelbelegungen, einen großen Drehknopf für die VFOs, einen kleinen Drehknopf mit verschiedenen Aufgaben, Lautstärke und Squelch-Knopf. Die Bedienung ist etwas umständlich, aber man gewöhnt sich dran. Um die Bandbreite umzuschalten, muß man z.B. erst die Funktionstaste drücken, dann die Bandweiten-Taste (Ziffer 3), anschließend läßt sie sich einstellen oder eintippen.

Für den Einsatz fernab der Stromversorgung lassen sich 12V-Modellbau-Akkus anschließen. Der Scanner benötigt ca. 900mA, so dass 7 Ah-Akkus lang genug laufen. Schaltnetzteile eignen sich nicht, da sie auf MW/LW stören. Das gilt wohl für alle Geräte.

 

 

Empfang

Die Empfangseigenschaften können sich in allen Bereichen sehen lassen. Viele Scanner versagen unterhalb 30 MHz, nicht der AR 5000.

Auf Mittel- und Langwelle sind kaum Spiegelfrequenzen zu finden. 3 km vom Flensburger MW-Sender (7.5 kW auf 702 KHz) entfernt entstanden mit 20 m Langdrahtantenne nur 3 schwache Mischprodukte. Auch die Trennschärfe spielt mit. Völlig ungestört kann man den ganzen Tag die Niederlande auf 675 hören. Abends ist auf 693 kHz gut Radio 5 live aufzunehmen. Der 3 kHz-Filter besitzt sehr steile Flanken, was bei Übersee-DX hilfreich ist. Auch die Empfindlichkeit läßt keine Wünsche offen. Auf freiem Feld außerhalb des städtischen Störnebels sind tagsüber auch die schwachen Regionalsender von der englischen Ostküste mit ein paar hundert Watt brauchbar aufzunehmen. Im Vergleich mit dem IC735 Transceiver von Icom zeigt sich der AR5000 auf Mittelwelle deutlich überlegen.

Eine gute Empfindlichkeit bietet auch die Kurzwelle. Jedoch entstehen ohne Abschwächung zahlreiche Spiegelfrequenzen, insbesondere starke Summenprodukte (z.B. 6075 + 6195= 12270 oder 6075 + 7250 = 13325). Auf diese Weise ist der gesamte Bereich von 7900 bis 44000 KHz voller Irrsignale. Echte Harmonische lassen sich nur schwer von künstlichen unterscheiden. Hier empfiehlt sich die eingebaute Dämpfung. Mit 20dB-Abschwächung dünnen die Spiegelfrequenzen deutlich aus. Oftmals bleiben die echten Signale selbst mit eingeschaltetem Dämpfer noch stark genug.

Im Gegensatz dazu entstehen keine Mischprodukte mit der Mittelwelle (z.B. 6075 + 702).

Weiter oben im Bereich 40 - 87 MHz kamen noch Mischprodukte mit dem extrem stark einstrahlenden E4-TV-Träger (ca.62190 KHz, ARD Flensburg 50 kW) hinzu, der inzwischen abgeschaltet ist. So entstand ein z.B. ein brummiges BBC-Signal auf 74285 KHz (62190+12095) bzw. 50095 kHz (62190 - 12095), entsprechendes erfahren andere starke Signale insbesondere aus dem 25, 19 und 16 m-Band.

Dabei besitzt der AR 5000 im unteren VHF-Bereich, wie überall, eine gute Empfindlichkeit. Fast täglich ist mit der Drahtantenne via Tropo der E2-Träger-Offset (s.u.) von NRK Greipstad (450 km) im SSB-Modus als Sinuston aufzunehmen.

Auf UKW war die Großsignalfestigkeit ernsthaft auf die Probe gestellt: aus 3 km Entfernung von der Testposition - quasi Auge in Auge - strahlte der NDR Sender Flensburg auf UKW mit 3x25 kW, 1 x 10 kW und 4 x 0.5 kW. Hinzu kamen starke Signale vom Telekom-Mast im 8km entfernten Freienwill (3 x 20 kW).

Die Folge: Zwischen 85 und 100 MHz kommt man ohne Abschwächer nicht aus, andernfalls versinkt jedes DX im S9-Rauschbrei. Mit 10 dB Abschwächung waren an einer Drahtantenne dagegen noch zahlreiche DX-Programme bei normalen Bedingungen aufnehmbar. So sind ständig z.B. Steinkimmen (200 km), fast durchgehed Teutoburger Wald (ca.320 km) oder Halmstad (320 km) aufnehmbar, auch aufgrund der engen IF-Filter (s.u.). Insgesamt ist der AR5000 dem Onkyo T-4970 etwas unterlegen, und dem Grundig Satellit 3400 deutlich überlegen.

Auf freiem Feld, 8 km vom NDR-Mast entfernt, braucht man den Abschwächer nur noch, wenn eine 5-Element-Richtantenne direkt in dieser Richtung steht. Ansonsten läßt sich die Empfindlichkeit voll ausspielen. Auf Anhieb waren z.B. 97.6 NRK2 Lyngdal (400 km), 100.9 ffh Rhön und 102.7 Antenne Thüringen Sonneberg (beide ca 500 km) zu empfangen, ohne daß Überreichweiten herrschten. Mit dem S3400 oder T4970 sind solche Empfänge sicher auch möglich. Jedoch erhöht der schmalere 30 KHz-IF-Filter zusätzlich die Empfinglichkeit (s.u.).

 

TV-DX und Offsets

Besonders interessant für VHF-und UHF-DXer dürfte die Jagd nach TV-Träger-Offsets sein. Zum Hintergrund: Die Bildträgerfrequenz auf einem Kanal variiert von Sender zu Sender. Hierfür gibt es ein Raster festgelegter Offsets im 1,3 KHz-Abstand. Folglich gibt es TV-Träger von E2 auf 48250, 48251.3, 48252.6 ... KHz. Auch negative Offsets sind möglich, z.B. 48248.7 KHz. Da bekannt ist, welche Offsets welche Sender benutzen, lassen sie sich auf diese Weise allein durch den Träger ansatzweise identifizieren. Hierfür eignet sich ein Scanner wie der AR 5000 ideal.

Im oberen VHF-Bereich und auf UHF hat das Gerät nun eine fantastische Empfindlichkeit. Hier fanden sich pro TV-Kanal (in der Zeit vor DVB-T) bei normalen Bedingungen im Schnitt 3 bis 6 Träger auf den verschiedenen Offsets, hörbar gemacht im SSB bzw. CW-Mode. In Satrup, 13 km von Flensburg, testete ich eine UHF-Richtantenne. Starke Sender bis 400 km waren fast durchweg hörbar, vom Harz bis Schweden.

Leider ist die Frequenzanzeige nicht ganz genau, siehe gesonderten Artikel.

IF-Filter

Die große Filterauswahl unterscheidet den AR5000 von Scannern unterer Preisklassen, und sie ist für den DXer ein wahrer Segen. Im UKW-Bereich kommen mit dem 30 KHz-Filter noch schwache Signale nur 0,1 MHz neben Ortssendern durch. Zusätzlich erhöht der Filter die Empfindlichkeit. Problemlos lassen sich auch 0,05 MHz-Abstände von Kabelabstrahlungen oder sogar 0,02 MHz verschiedener Tonunterträger auf einem TV-Kanal auseinanderdividieren.

Der Nachteil beim 30 KHz-Filter: Sobald das eingestellte FM-Signal kräftig moduliert ist, wachsen die Flanken weit über die Filtergrenzen hinaus. Das Ergebnis sind Verzerrungen bis zur Unkenntlichkeit. Besonders bei stark modulierten und komprimierten Pop-Sendern ist das der Fall, z.B. vielen dänischen Privatradios. Die 3/6/15 kHz-Filter lassen sich auf UKW nur bei sehr ruhiger Klassik gebrauchen.

Inzwischen habe ich den 110 KHz-Filter gegen einen 53 KHz-Murata-Filter ausgetauscht, statt 220 KHz sind jetzt 80 KHz drin, danke an Udo für die Hilfe. Das ist ein echter Gewinn.

Neue Dimensionen erschließt der Perseus Receiver, den man über den ZF-Ausgang anschließen kann. Hier lassen sich sogar stufenlos verstellbare Filterkurven einstellen, derzeit aber nur bis 50 KHz.

Der Nachteil kann dabei zum Vorteil werden. Wenn einige Lokalradios in der Nacht nur den Träger senden, oder einige Klassikstationen gerade eine ruhige Passage laufen haben, lassen diese sich dem 3 oder 6 kHz-Filter sogar noch "unter" wesentlich stärkeren FM-Sendern auf derselben Frequenz auffinden.

Der Audio-Notchfilter überzeugte mich noch nicht, er zeigte kaum Wirkung.

 

RS232-Steuerung

Über jeden COM-Port läßt sich theoretisch die gesamte Bedienung des Gerätes steuern. Die Befehle sind bekannt, so daß man auch selbst programmieren kann. Das funktionierte allerdings nur problemlos unter Win98 oder Win3.11. Ein paar Beispiele finden sich auf diesen Seiten. Mit neueren, schnelleren Rechnern unter XP kommen die Befehle leider oft nicht an. Vielleicht gibt es da einen Trick. Falls bekannt, bitte eine kurze Mail an mich. Professionelle Software, u.a. zur Verwaltung der Speicher, kann man inzwischen kaufen.

Nachteil jeder PC-Steuerung für DXer: Es wird wohl kaum möglich sein, die Computer-Einstrahlungen komplett zu dämpfen, da sie mit über das Kabel übertragen werden.

Scannen

Die Scanmöglichkeiten sind umfangreich, und es fordert einige Zeit sich einzuarbeiten. Dabei sind Schritte und Schnelligkeiten variierbar. Am einfachsten ist das Auf- bzw. Abwärtsscannen, das gut funktioniert. Desweiteren kann man mit Bänken, Ausblendfrequenzen etc. arbeiten.

 

Praxistest bei Überreichweiten

F2-DX

Die besten Bedingungen hatte ich im Norwegen-Urlaub im Oktober, jenseits des städtischen Störnebels und mitten im Sonnenfleckenmaximum. Täglich ging die MUF bis ca 43 MHz. Morgens waren zwischen ab 31 MHz russische Funkdienste zu hören. Nachmittags meldeten sich die Ostküste der USA und Lateinamerika, alles in FM mit 6 KHz Bandbreite. Die USA-Stationen nannten oft die Uhrzeit. Auf diese Weise läßt sich die Zeitzone bestimmen. Bei meinen Empfängen lag sie immer 6 Stunden zurück, was auf die Ostküste schließen läßt. Die Signale überstiegen oft S9, fadeten aber sehr stark. Als Antenne benutzte ich wiederum einen 20 m Langdraht. Leider erreichte die MUF an diesen Tagen nicht das TV-Band.

 

Sporadic E

Spannend ist es fast täglich im Sommer, die Sporadic-MUF ansteigen zu sehen, und zu erfahren, was sich alles im bisher unbekannten Gebiet zwischen 30 und 87 MHz tummelt. Als die Bänder Richtung Frankreich/Spanien offen waren, waren bei 35 MHz zahlreiche französische Funkdienste in FM aufzunehmen. Wenn die MUF das TV-Band erreicht, kommen die Signale auf E2, R1, E3, R2 und E4 schnell auf S9+40 dB. Die Signale sind sogar so stark, daß auch auf dem zweifach belegten E4-Kanal (ARD Flensburg und Kabel-TV-Einstrahlung) weitere Offsets hörbar werden. Schwache Träger sind selten und lassen eher auf Tropos oder Scatter schließen.

Es macht auch Spaß, die Tonkanäle zu beobachten, die weitaus ungestörter als mit einem TV-Gerät aufzunehmen sind. Trotz E4-Belegung ist auch guter OIRT-Empfang möglich. Lediglich unterhalb 68 MHz wird es schwierig. Nicht ganz so starke Signale sind im 6m-Amateurfunkband anzutreffen. Es macht schon einige S-Stufen aus, wenn die Baken oder Stationen dort nur mit 30 Watt senden. Starke E2-Sender führen im Amateurband übrigens nur zu leichten Störungen. In einiger Entfernung von den TV-Bildträgern lassen die Schnarrsignale (fortweg ca. im 16 KHz-Abstand) deutlich nach. Für S7 am Draht reicht es meistens aber doch für die Amateurfunker, stark genug, um sich durchzusetzen.

Interessant übrigens: wenn die MUF ansteigt, dann oft sehr plötzlich. Von einem Moment auf den Anderen ist R1 aufnehmbar, zusammen mit dem OIRT-Band. Einige Relais bis 87 MHz spielen bei Sporadic E sogar verrückt und übernehmen internationale Signale.

 

 

Fazit

Der Alleskönner mit erstklassigem Empfang überzeugt trotz kleiner Abstriche. Der AR 5000 ist sicher einer der besten verfügbaren Scanner, dessen preislicher Abstand zur der Konkurrenz angemessen ist.

(+) großer Frequenzbereich

(+) FM/SSB/AM

(+) viele Filter

(+/-) umfangreiche, aber komplizierte Scanfunktionen

(-) Bedienung

(-) ungenaue Frequenzanzeige (zumindest bei meinem)

(-) Notchfilter unwirksam


Spiegelfreuenzsichereheit

MW/LW: gut

KW/VHF: mäßig

UHF: gut



Peer-Axel Kroeske DL2LBP (geschrieben 2000, leicht überarbeitet 2008)



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