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Ostpreußen Reiseerfahrungen
Kaliningrad Oblast im August 2007
Organisation der Reise
Für Russland braucht man leider ein Visum. Das bekommt man entweder mit einer Einladung. Die lässt sich angeblich erkaufen. Der offiziell korrektere Weg ist, Hotels für die komplette Dauer durchzubuchen. Gute Dienste leistet dabei ein Reisebüro wie Schnieder Reisen in Hamburg, die sich auf Ostpreußenreisen spezialisiert haben. Dort werden auch individuelle Routen zusammengestellt. Leider sind die Hotels so teuer wie in Deutschland, oft bei geringerer Qualität. Pro Nacht sind meist deutlich mehr als 50 Euro pro Einzel- oder Doppelzimmer fällig. Auch das Reisebüro verlangt einen Aufschlag. Dafür entfallen komplizierte Telefonate und Papierkram - man muss nur noch hinfahren.
In der Oblast kann man sich bis auf die Sperrgebiete frei bewegen. Nicht erlaubt sind u.a. die Zonen um Baltisk/Pillau und ein Streifen 7 km von der Grenze entfernt.
Flug
KD Avia bietet tägliche Direktflüge ab Hamburg, Hannover, Düsseldorf und Berlin für ca. 200 Euro Retour. Diese Kaliningrader Fluggesellschaft weitet seit 2007 das Angebot stark aus. Der Flughafen liegt ca. 30 km nördlich von Königsberg, nicht weit von Cranz. Wir flogen mit einer älteren Boeing 737.
Mietwagen
Für ca. 30 Euro am Tag gab es z.B. 2007 einen Renault Symbol, ebenfalls vermittelt durch das Reisebüro. Großer Vorteil: Ein russisches Kennzeichen fällt nicht sonderlich auf. Übrigens untrerscheiden sich die Autos auf den Straßen kaum von EU-Ländern. In einer Woche hielt uns nur eine Kontrolle der Miliz an. Schikanen gab es nicht.
Sprachen
Russischkenntnisse sind ein enormer Vorteil. Mit Deutsch und Englisch kommt man nicht durch. Selbst in den Hotels wurde oft nur Russisch gesprochen.
Hotels
Hotel Kaliningrad, Kaliningrad / Königsberg
Liegt zentral. Gross und unpersönlich. Die Zimmer zur Südseite heizen im Sommer schnell auf. Wer das Fenster öffnet, hört lauten Verkehrslärm. Ergebnis eines Duschversuchs um 6 Uhr morgens: viel Luft, druckvolle rostfarbene Wasserspritzer, nach einer Minute ergoss sich dann eine dunkelrostbraune Brühe aus dem Hahn. Beim nächsten Versuch um 9 Uhr war alles in Ordnung. Möglicherweise hatte das Hotel unsere Registrierung bei der Migrationsbehörde vergessen. Die mussten wir in Gumbinnen nachholen. Annehmbares Frühstücksbuffet.
Pension Gloria, Gumbinnen / Gusev
Auch zentral, im ersten Block an der Hauptstraße südlich der Pissa (unscheinbare Einfahrt links, Restaurant im Erdgeschoss). Freundliches Personal ohne Sprachkenntnisse. Schwacher Druck in der Dusche- ging nur, wenn das Nebenzimmer gerade kein Wasser verbrauchte. Nette kleine Gemeinschaftsterrasse auf dem Balkom mit Ausblick auf die umliegenden Blocks. Wir fragten nach Fahrrädern: die Rezeptionistin organisierte Mountainbikes für 10 Euro am Tag (erst wollte sie 20 Euro). Die Gegend ist toll zum Fahrradfahren, die russischen Straßen weniger gefährlich als gemeinhin berichtet. Kühlschrank mit kostenpflichtigen Getränken, u.a. Ostmark (!)-Bier. Wenig frequentiertes, günstiges Restaurant mit gut zubereiteten, russischen Gerichten.
Hotel Kocar, Insterburg / Chernyakovsk
Luxushotel, kontrastreich mitten in der Stadt zwischen alten Plattenbauten, Ruinen und einer Fabrik gelegen. Eröffnung laut Bedienung im April 2007 - wir fühlten uns wie die ersten Gäste. An der Rezeption wurde Deutsch und Englisch gesprochen. Es gab einen Türsteher, der das am Brunnen trinkende Volk vom Betreten des Gebäudes abhielt. Flure und Zimmer mit dicken, weichen Teppichen, ordentliches Bad, sogar geruchsfreies Wasser. Ausblick auf eine Mauer. Gehobene Küche (kleine Portion, stilvolle Optik) zu erträglichen Preisen. Erstaublicherweise im August 2007 noch keine Internetpräsenz (zumindest mit westeuropäischem Zeichensatz im Internet nicht auffindbar).
Hotel Kurische Nehrung, Sarkau / Lesnoje
Geräumiges Zimmer mit Vorraum, leichter Schimmel in der Dusche, einmal kurzer Wasserausfall, mürrische Rezeption, schöne Aussicht von der Notausgangs-Außentreppe über den beschaulichen Ort und das Haff, unterkühlter Air-Condition-Frühstücksraum.
Hoffmann-Haus, Rauschen
Konzepthotel ganz dem Schriftsteller und Märchendichter E.T.A. Hoffmann gewidmet: zum Teil dreieckige Räume, überdimensionierte Türen, etliche Bilder über sein Leben und mit Szenen der Märchen, weitere Szenen in der Grünanlage im Gartenzwergstil, sehr geräumige Zimmer, luxoriöses Bad, Balkon zu einem kleinen Wald.
Ein wohlhabender General soll die Anlage 1995 in Auftrag gegeben haben.
Ostpreußen- was ist geblieben?
Noch immer stehen viele Häuser aus der deutschen Zeit, zum Teil verfallen und verlassen, zum Teil renoviert und bewohnt. In Königsberg, Cranz, Rauschen oder auf der Nehrung entstehen viele neue Villen reicher Leute. Auch zur Sowjetzeit wurde gebaut - kleine Siedlungshäuser auf den Dörfern und inzwischen sanierungsbedürftige Plattenbauten. Wer über Land fährt, sieht viel Brachland mit Gestrüpp. Seit Ende der Sowjetunion werden die Flächen kaum noch bewirtschaftet. Etliche alte deutsche Dörfer sind schlichtweg verschwunden. Dort finden sich nicht einmal mehr Ruinen, allenfalls noch einzelne Ziegelsteine.
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