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Luang Prabang Radio Station

Laos

Laos ist Südostasiens einziges Land ohne Zugang zum Meer. Zwischen China, Vietnam, Myanmar, Kambodscha und Thailand gelegen streckt es sich entlang des Mekong-Flusses über 1000 Kilometer von Nord nach Süd. Ringsum reihen sich grüne, dünnbesiedelte Hügelketten mit zum Teil bizarren Formen bis an den Horizont. Die Hapustadt Vientianne ist den meisten Dxern noch aus den 80er Jahren ein Begriff. Leistungsstarke Sender in der UdSSR strahlten damals ein deutschsprachiges Programm des kommunistischen Brudervolks aus. Noch immer ist Laos in der Hand der einen Partei, es fällt einem Touristen aber kaum auf. Wesentlich stärker ins Bild fallen die buddhistischen Tempel und die vielen Mönche in ihren orangenen Kutten. So gehen viele jugendliche Laoten für mehrere Monate ins Kloster. Seit Ende der 90er Jahre öffnet sich Laos dem Tourismus mit der Folge, daß Gästehäuser wie Pilze aus dem Boden schießen.













In erster Linie quartieren sich europäische und amerikanische Rucksackreisende hier ein. Gerade in Luang Prabang, dem Zentrum des Nordens ist das der Fall. In der Hauptstraße reiht sich inzwischen Café an Café. In den Seitenstraßen geht es ruhiger zu.













Relativ neu war bei meinem Besuch im Februar 2003 der Nachtmarkt mit Hühnchen- und Wasserbüffelfleisch vom Grill und Hunderten von Händlern, die ihre Stickereien anbieten. Alles ist für unsere Verhältnisse unglaublich billig, so gibt es einfache, aber akzeptable Doppelzimmer ab 4 € oder ein erstklassiges laotisches Erlebnis-Barbecue für 2 Personen für insgesamt nur 2,50 €.














Erst Satellitenfernsehen, dann Telefon

Luang Prabang läßt sich mit dem Flugzeug, über holperige Straßen oder über den Mekong erreichen. Letzteres ist wahrscheinlich der interessanteste Weg. Von Houey Xay an der thailändischen Grenze schlängelt sich ein mit bis zu 100 Rucksacktouristen vollgestopftes Boot über zwei Tage durch die Meandern und Stromschnellen des Mekong hindurch, links und rechts urwaldbedeckte Hügel. Dazwischen liegt eine Rast in Patpeng, einem kleinen Dorf im Nichts, von der nächsten Stadt 6 Stunden mit dem Bus entfernt, voller Guest Houses und Sandwichstände. Die ersten 30 Telefonanschlüsse gibt es hier erst seit Februar 2003, aber schon seit Jahren schmücken C-Band-Satellitenantennen die Dächer. Sie sind meist 1,50 - 1,80 Meter im Durchmesser und peilen einen Thaicom-Satelliten an. Die Laotische Sprache ist dem Thai ähnlich, die Laoten verstehen es. 6 analoge Kanäle stehen zur Auswahl. In Luang Prabang gibt es bereits die ersten kleinen Ku-Band-Schüsseln, die das thailändische Pay-TV-Paket von UPC auf Thaicom 3 anpeilen. Darin sind u.a. auch BBC, CNN, MTV und VH-1 enthalten. In Sachen Video erleben VCDs einen Siegeszug. An jeder Straßenecke sind die Raupkopien zu erwerben.











Radio

Radios laufen in der Öffentlichkeit wenig - wohl eine Folge des dürftigen Programmangebots. Das UKW-Band ist leer, die MW tagsüber auch. Nur abends dringen in erster Linie die thailändischen und chinesischen Stationen durch. Das staatliche laotische Programm ist in Luang Prabang auf MW 576 KHz kaum zu empfangen. Die Kurzwelle 6130 kHz ist noch die beste Möglichkeit. Somit hat die "Luang Prabang Radio Station" fast ein Monopol. Sie sendet seit 1967 und ist neben Sam Neua (4661 KHz + FM) die Einzige im Norden des Landes, kann aber auch nur in der Umgebung der Stadt gehört werden. Gesendet wird auf der unkonformen Mittelwellenfrequenz 705 kHz und UKW Mono auf ca. 93,05 MHz. Die im WRTH gelistete Frequenz 6971 KHz scheint inaktiv zu sein.













Besuch

Ich kam unangemeldet und wurde sogleich freundlich von der Redakteurin Manivanh Soutaphong durch die Station geführt. In der Luft ist die "Luang Prabang Radio Station" täglich von 6.15 - 15 Uhr und 17.30 -20.30 Ortszeit (UTC+7). Das Programm besteht aus vielen regionalen Nachrichten, ausschließlich laotischer Musik und Übernahmen aus Vientianne. 32 Mitarbeiter kümmern sich um Programm und Technik.




Technik

Der Studioraum ist groß, fensterlos und kärglich ausgestattet. Der Techniker spult gerade auf einem alten Radiorecorder Cassetten für die halbe Stunde mit Hörerwünschen zurecht. Hinter der Glaswand verlesen ein Mann und eine Frau im Wechsel Meldungen. Links vom Mischpult türmen sich ein Doppelcassettendeck, ein Revox CD-Spieler und ein Denon Receiver zur Studiobeschallung. Daneben ein Yaesu FRG-100, der auf 6130 kHz eingestellt ist. In dessen Kurzwellenqualität werden die halbstündigen Blöcke des Lao National Radio aus Vientianne übernommen. Rechts das modernste Stück: ein Apple Macintosh mit Audiosoftware. Es handelt sich um skandinavische Entwicklungshilfe.

Entwicklungshilfe

Wie Frau Soutaphong erklärt, läuft in Luang Prabang nämlich seit vergangenem Jahr ein Projekt der dänischen Firma Danicom. Das Unternehmen trainiert in Afrika und Asien die Mitarbeiter lokaler Radiostationen in journalistischem Grundlagenwissen, vom Aufbau eines Beitrages über Interviewtechniken bis zum Umgang mit der Audio-Software. Das Geld kommt von der schwedischen Regierung.

Programmgestaltung

Frau Soutaphong selbst ist von Danikom sehr angetan, sie scheint überhaupt eine treibende Kraft zu sein. Sie berichtet von Interviews mit Bauern in den Bergdörfern und Beiträgen über den richtigen Umgang mit Hühnern oder Kühen - Landfunk auf Laotisch. Interessant ist, daß es auch spezielle Sendestrecken in der Minderheitensprache der Hmong gibt. In Sachen Musik würde sie gerne auch internationale Titel spielen, sie habe schon ein paar Ideen, müsse aber noch den Stationschef überzeugen, der gerade nicht anwesend ist. Als ich sie nach Jingles frage, merke ich, daß sie keine klare Vorstellung davon hat, was das ist. Mein Angebot, ihr diesen Bericht per E-Mail zukommen zu lassen, lehnt sie ab. Den einen Euro für eine Stunde im Internet-Café nicht leisten kann. Sie verdient umgerechnet nur etwa 20 Euro im Monat. Ich werde wohl ein Fax schicken.

Sendeanlagen

Der Mittelwellensender steht etwas außerhalb der Stadt und sendete früher mit 7 kW. Damals erreichten die Station viele Empfangsberichte, u.a. aus Japan. Das hat aber nachgelassen, seit die Leistung reduziert wurde. Mit Glück dürfte sich in Europa noch der Träger der ungewöhnlichen Frequenz nachweisen lassen. Die UKW-Frequenz ist in der Stadt nur schwach aufzunehmen. Wahrscheinlich wird mit wenigen Watt gesendet.

geschrieben im März 2003



PeerAxel@aol.com

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