Förde Fetz Radio
Rock für Flensburg
Von 1990 bis 1996 sendete in Flensburg Förde Fetz Radio. Die Macher waren Rockfans, die ihre Musik im Radio vermissten.
Förde Fetz Radio war keine eigene Station, sondern ein mehrstündiges deutschsprachiges
Programm, das (fast) jeden Freitag abend über eine dänische Lokalradiostation in Gråsten (Gravenstein)
ausgestrahlt wurde. Diese Station konnte man in Flensburg und Umgebung mehr schlecht als
recht empfangen, aber es gab doch Leute, die das Förde Fetz Programm einschalteten.
In den 6 Jahren gab es Höhen und Tiefen und es veränderte sich einiges. Diese Internet-Seite
soll ein wenig die Geschichte von Förde Fetz Radio in Erinnerung behalten und allen Mut
zusprechen, die Lust haben, unkonventionelles Radio zu machen.
Das Förde Fetz Team 1993 v.l.n.r.
Peer-Axel Kroeske, Olaf Ranz (jetzt: Olaf Peters), Heidi Brenke, Kai Thomsen, Andreas "Beastie" Boysen, Heini Brogmus
Die Förde Fetz Radio Geschichte
1990
Im Januar besuchen Andreas und ich spontan die dänische Lokalradiostation "Radio Sundeved" in Gråsten.
Ich hatte die Station schon gehört und wollte schon immer mal sehen, wie so ein Lokalradio
von innen aussieht. Die Dänen sind nett, zeigen und alles und fragen sogar, ob wir Lust
hätten, ein Programm zu machen.
Andreas, Olaf, Christian, Sven und ich produzieren im Februar in Satrup eine Cassette
mit einer Stunde Programm, die später unsere erste Sendung sein wird. Die Produktion dauert
zwei Nachmittage. Den Dänen gefällt die Cassette und die erste Sendung wird für den 6.4.1990
festgelegt. Sie hoffen auch auf deutsche Werbeeinnahmen. Die werden erstmal ausbleiben, das scheint aber auch nicht
unsere Aufgabe zu sein. Wir sollen künftig 2 Stunden am Freitag abend senden, jeweils von 18-20 Uhr.
Für die 2.Stunde der Premierensendung interviewen Andreas und ich den bekannten Saxophonisten Richard Wester.
Ich entwerfe das FFR-Logo, die Dänen geben es in Druck. Für den Programmstart wird die Flensburger Innenstadt plakatiert.
Das Anzeigenblatt "Moin Moin" interviewt uns für den Programmstart.
Am 6.4.1990 läuft die erste Sendung über den Äther. Wir fahren dabei
mit Olafs Käfer quer durch die Stadt und hören, wie das Programm überall zu emprfangen ist.
Heidi meldet sich und will mitmachen. Sie gehört fortan zum
Förde Fetz Team. Für die folgenden Freitage wird weiterhin vorproduziert.
Ab Juni senden wir meistens live, noch mit technischer Unterstützung des Radio Sundeved-Teams.
Regelmäßig rufen jetzt Hörer an und wünschen sich was. Viele Heavy-Fans sind dabei.
Reiner Dohme stößt zum Team dazu.
Ab Oktober werden die Sendungen selbstgefahren.
Programmhighlights 1990
Mehr oder weniger regelmäßige Rubriken wie die Thrash-Ecke, Bandvorstellungen,
Reportage über das besetzte Haus in Flensburg (das Hinterhaus in der Norderstraße, das heute die Phänomenta nutzt), etc.
1991
Am 5.4.1991 ist erstmal Sendepause. Radio Sundeved geht in Konkurs und stellt den Sendebetrieb
eine halbe Stunde vor unserer geplanten Jubiläumssendung ein. Das halbe Team ist schon auf dem
Weg nach Graasten und muß unverrichteter Dinge umdrehen.
Oktober 1992
Aus dem Graastener Studio wird schon seit einem halben Jahr wieder gesendet, diesmal
unter dem Namen "Radio 89", später "Grænseegenens Lokalradio" (GLR). Nun nimmt auch
FFR einen zweiten Anlauf. Diesmal sollen wir den Dänen Werbeeinnahmen bescheren.
Ich erstelle also ein paar Angebotsschreiben und telefoniere die Flensburger Geschäftswelt ab.
Tatsächlich kommt ein nennenswerter Betrag zusammen, wir hatten auch wohlwollende Auftraggeber.
Wir behalten das Benzingeld. Die Dänen bekommen den Rest. Im Nachhinein
dürfte das wohl einer der wenigen finanziellen Lichtblicke für Radio 89 gewesen sein.
Mit einem 4-Tack-Cassettengerät
produziere ich im Studentenwohnheim mit allen gerade verfügbaren Stimmen Werbespots.
Wer gerade über den Flur läuft, wird zwangsverpflichtet.
Das Comeback ist dann für den 2.10.1992 vorgesehen, eigentlich für 18 Uhr. Diesmal bringt
die "Moin Moin" uns sogar auf die Titelseite (fair, da wir eigentlich ein Konkurrenz sind, aber sicher keine allzugroße).
Doch als wir um 19 Uhr anfangen sollen, sendet noch ein Programm von GLR mit Volksmusik.
Man sagt uns, wir könnten entgegen der Absprache erst um 20 Uhr anfangen.
Wir haben also die größte Publicity seit dem Programmstart und
sind nicht zu hören! Naja, um 20 Uhr geht es dann los, es rufen auch einige Leute an und wir senden
vom 9.10.1992 an jeden Freitag von 19 bis 22 Uhr. Fortan gewinnt FFR auch an Struktur und wir geben regelmäßige Programminfos heraus.
Foto: Höchste Anspannung bei Live-Sendungen (Peer-Axel, Heidi, Reiner und Olaf)
Programmhighlights 1992
9.10. Illegal 2001 im Studio
23.10. Waltons-Interview (die Band)
6.11. Ian Cussick-Interview
13.11. Flensburger Studentendemos, Kenn Lending-Interview, Volksbad-Blues-Festival-Review
20.11. Jack McTiger And The New Deal im Studio
4.12. Das Jugendzentrum Exe produziert einen Hit
11.12. Südstaatenrock-Special
1993
Immer mehr Bands spielen live im Sendestudio und nehmen teilweise ihre komplette
Ausrüstung mit inklusive Verstärker und Schlagzeug. Wir berichten ausführlich von allen
Festivals. Kai Thomsen stößt für einige Zeit zum Team hinzu.
Im September 1993 beginnt für Förde Fetz Radio ein schwieriges Kapitel: die Koexistenz
mit "Radio Flensburg" (RFL). Unter diesem Namen versucht eine Gruppe von Leuten über dieselben Frequenzen
ein kommerzielles Programm für Flensburg zu etablieren, das Mo-Fr 11-13 Uhr und Sa 18-21 Uhr sendet, hauptsächlich mit
Chartmusik. Die Dänen hoffen (vergeblich) auf noch größere Einnahmen, die
ihre eigene Station aus der Krise holen sollen.
Vorsichtig formuliert: RFL hatte viel Fluktuation und das Programm wurde seinem Anspruch über weite Strecken nicht gerecht.
Nun gut, wir waren zwar auch manchmal chaotisch, aber letzlich doch ein Hobbyprojekt.
Abgesehen von der Verwechselungsgefahr hätte uns das egal sein können.
FFR wird aber zum Start fast ausgebootet und im September 1993 fallen sogar zwei Sendungen aus.
Unter dem Namen "Förde Fetz - Radio Flensburg", später "Radio Flensburg mit dem Förde Fetz Team"
können wir dann doch weitersenden, müssen aber dafür
die RFL-Werbung spielen und auch regelmäßig ungeliebte Programmteile von RFL übernehmen.
Die Sendezeit erweitert sich dafür auch auf 5 Stunden: jetzt jeden Freitag 18-23 Uhr. Heute ist
Radio Flensburg übrigens eine
weitgehend automatisierte, aber doch irgendwie liebevoll gemachte Internetradiostation mit Lokalnachrichten, viel Nonstop-Popmusik
und moderierten Sendungen zu bestimmten Zeiten.
Programmhighlights 1993
5.2. US-Westcoast-Special mit Thomas
12.2. Doom Special
19.2. Insert Coin live im Studio
2.4. Sally Barker-Interview
16.4. alte Punkscheiben-Special
23.4. Fro-Tee-Slips live im Studio
14.5. die Kopfhörer-CD - der erste Sampler FL'er Amateurbands
21.5. Wallsbüll-Festival-Review
18.6. Jübek-Festival Review mit Interviews: Inner Circle, Pressgang, Good ol'Boys
25.6. FFR rasiert Cuddel Blues
2.7. Faithful Work im Studio
9.7. Terry Hoax-Interview
13.8. You And The Night im Studio
20.8. Norstedt-Festival-Preview
27.8. Symplegma im Studio
3.9. Norstedt Festival Preview
24.9. Peacock-Palace und Pogues-Interview
8.10. Prisma im Studio
15.10 Toy im Studio
5.11. East-Blues-Experience Interview
12.11. Vorstellung des Musikverlags "Der Verlag" aus Silberstedt
26.11. The Caves im Studio
10.12. Konzerte am Hafermarkt, Interview PH-Satiregruppe (an der Pädagogischen Hochschule)
17.12. Interviews mit Ronnie James DIO und den Ramones (!!), Illegal 2001
und Rubriken wie Headbangers Hörsturz oder die gnadenlose halbe Stunde.
Foto: Am 7.1.1994 gibt sich Andreas als Flensburgs bekanntester Kaffeetrinker aus
1994
Neu sind die Radiokonzerte auf FFR, meistens im Volksbad aufgenommen, mehrere auch
beim Waldheim Festival, teilweise in technisch überraschend guter Qualität. Prima, wie die Musiker da mitspielen
und uns mitschneiden lassen.
Programmhighlights 1994
14.1. Toss The Feathers-Interview
28.1. Feedback, Sacred Season
18.2. Ina Deter-Interview
11.3. Radiokonzert 4 Men And A Dog
18.3. Radiokonzert Shotgun Rationale
25.3. Highlander-Interview
8.4. Oyster Band Interview
22.4. Waltons-Interview
29.4. Atlantic Wave Band Radiokonzert
13.5. Wallsbüll Review
20.5. Chris Cacavas Radiokonzert
27.5. Pressgang Radiokonzert
15.7. Bands in Schleswig-Holstein Special
22.7. Waldheim-Festival-Review
29.7. Stoney Rudolph- Folkrock aus Dithmarschen
2.9. The Colour Red Interview
9.9. Waltari-Interview
16.9. Roquefort im Studio
23.9. Bamboo Brothers-Interview
30.9. Stone Mountain Wood im Studio
7.10. Grinning Sinner Interview
14.10. Jingo de Lunch Interview
4.11. Radiokonzert Apparatschik
11.11. Malicious im Studio
18.11. Nude- Interview
25.11. Liberty Cage Radiokonzert
2.12. Besuch bei Illegal 2001
9.12. Radiokonzert Pat Thomas And The Family Jewels
16.12. Interview mit Campino von den Toten Hosen
1995
Ab Mai wieder neue Sendezeiten: Fr 20-24 Uhr. Davor läuft ein
RFL-Infoprogramm. Ab Dezember mache ich als Vorprogramm Fr 18-20 Uhr
eine neue Sendung mit Folk, Soul, etc.: die "RFL-Connection".
Programmhighlights 1995
20.1. Frontline Interview
3.2. Airheads Interview
17.3. Nils Lofgren Interview
14.4. Samuel Eddy Interview
21.4. Abi Wallenstein im Studio
5.5. Fishmob Interview
7.7. Roskilde-Review
14.7. Luka Bloom Interview
8.9. Offspring Interview
20.10. Strawberry Slaughterhouse-Interview
8.12. Nuthouse Flowers im Studio
1996
Am 1.3.1996 läuft die letzte Förde-Fetz-Sendung, obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch niemand
weiß. GLR geht am 4.3.1996 in Konkurs. Die Studios in Gråsten werden aufgelöst.
Foto: Peer-Axel und Olaf während einer Sendung
Technische Infos
Förde Fetz Radio sendete über zwei 30 Watt-UKW-Stereo-Sender: die Antennen standen auf dem Tummelsbjerg
(104.7 MHz), 3 km westlich von Gråsten, und auf dem Padborger Wasserturm (107.8 MHz), sowie in verschiedenen Kabelnetzen
in Deutschland und Dänemark auf 102.5 MHz. 1991 wurde zusättzlich der Sender Felsted auf 90.1 MHz eingesetzt.
1994 und 1995 war auch der Sender Skelde/Broagerland 98.9 MHz aktiv, der u.a. Sonderburg versorgte.
Einmalig am 1.3.1991 sendete FFR sogar
über Radio Als auf 93.7 und 106.6 MHz.
Heute werden vom Tummelsbejerg und dem Wasserturm keine UKW-Programme mehr gesendet. Die Frequenzen werden inzwischen von
anderen Stationen genutzt (107.8 und 90.1 Radio Mojn, 98.9 Nova FM, 104.7 soll Globus Guld bekommen).
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